Jezirah war nur Augen und schwangerer Bauch, als sie ihre Gefangenschaft bei uns antrat: Frisch vom Fütterungsplatz für wilde Katzen weggefangen, wurde die eher zierlich Katzendame in der Falle zu uns gebracht – zierlich, bis auf ihren enormen Bauch, der vier aussagekräftige Beulen aufwies. Die erste Nacht verbrachte das total verstörte Tier auf dem höchsten Regalbrett auf der Espresso-Maschine in der Küche. Zwar wagte sie sich am nächsten Tag unbeobachtet herunter, aber nur, um dafür in die dunkelste Ecke hinter der Spüle zu flüchten. Da verbrachte sie eine Woche, nur an der benutzten Katzentoilette und dem mysteriös verschwindenden Katzenfutter (Unmengen davon) konnte man erkennen, daß eine Katze im Haus war.
Aber unsere Bemühungen zeigten langsam Erfolg – Nachmittage auf der Isomatte vor ihrem Schlupfwinkel führten dazu, daß sie nachts neugierig die Zimmer inspizierte, aber wie ein Geist verschwand, sobald man sich bewegte. Und der Bauch schien platzen zu wollen... Und dann plötzlich war es so weit: An einem total unpassenden Arbeitsmontag setzten die Wehen ein und los ging's – die Kleinen flutschten im Halb-Stunden-Takt auf die Welt. Nachdem jede Arbeit und Verpflichtung abgesagt war, bestaunten wir das kleine Wunder. Und endlich wagte Jezirah sich aus ihrem Versteck, mit jedem Welpen ein Stück mehr.
Schon während der völlig reibungslosen Geburt fing die stark mitgenommene Mama an zu
futtern – worüber sie fast die Ankunft des Nesthäckchens verpaßt hätte. Mittags waren dann aber vier stramme bunte Katzenwelpen
um Jezirah versammelt und schrien aus Leibeskräften, sobald die Zitze verloren ging. Ansonsten hörte man nur zufriedenes Schmatzen.
Und als wäre die Katze ausgetauscht worden, war die Mama plötzlich die Anhänglichkeit in Person – Kraulen
war angesagt, am Besten 25h am Tag.